Brustvergrößerung: Fragen und Antworten aus 16 Jahren Plastischer Chirurgie

Frauen mit dem Wunsch nach einer Brustvergrößerung bringen ein Bündel aus Fragen, Sehnsüchten und Unsicherheiten in die Beratungsgespräche mit Plastischen Chirurgen. Und das ist auch richtig so! Denn individuelle Fragen der Patientin zu beantworten, über Risiken aufzuklären, und eine Entscheidungsgrundlage gegen oder für einen solchen Eingriff zu schaffen, das kann und darf nur das eingehende persönliche Beratungsgespräch. Im folgenden Beitrag geht Dr. med. Ludger JM Meyer, Leiter der Münchner Villa Bella, auf häufig gestellte Fragen vor und nach Brustvergrößerungen ein, und greift dabei auf einen Erfahrungsschatz aus über 16 Jahren in der Plastischen Chirurgie zurück.

Ist eine Brustvergrößerung gefährlich? Welche Risiken und Folgen sind damit verbunden? Ist der Eingriff mit Schmerzen verbunden?

Eine Brustvergrößerung wird unter Vollnarkose durchgeführt. Wie jeder andere operative Eingriff ist auch eine operative Brustvergrößerung mit Risiken und möglichen Komplikationen verbunden. Auch nach der Operation bestehen Risiken, die zum Beispiel mit dem eingesetzten Implantat verbunden sein können. Je nach Operationstechnik, Qualität des Implantats und der Keimfreiheit während des Eingriffs sinken oder steigen die Risiken gesundheitlicher Beschwerden nach einer Brustvergrößerung. Bei negativen Verläufen sind Spannungsgefühle und Schmerzen möglich, die mit Wundheilungsstörungen, Blutungen und Infektionen zusammenhängen können. Ein ernstzunehmendes Risiko nach einer Brust-OP ist eine sog. Kapselfibrose. Dabei handelt es sich um eine Verhärtung der Bindegewebs-Hülle, die sich um das Implantat herum bildet.

Was hat es mit der Kapselfibrose auf sich?

Die Bildung der sogenannten Kapsel – eine Bindegewebs-Hülle rund um das Implantat – ist eine normale Reaktion des Organismus auf Fremdkörper. Bei einigen Frauen verdickt und verhärtet sich diese Kapsel mit der Zeit, was oben genannte Spannungsgefühle und Schmerzen auslösen kann. Durch die Veränderung der Kapsel entsteht Druck auf das Brust-Eigengewebe und das Implantat – im ungünstigsten Fall kann es dabei zu Ruhe- oder Bewegungsschmerzen kommen, oder auch das Silikonkissen verschoben werden.

Brustvergrößerung – ja oder nein?

Beim Thema Brustvergrößerung stehen gesundheitliche Risiken den eigenen Wünschen und Sehnsüchten gegenüber. Die Entscheidung für oder gegen eine Operation können Patientinnen nur dann bewusst treffen, wenn zuvor eine ausführliche Beratung und Aufklärung durch den Arzt erfolgt ist. Medizinische und ästhetische Gründe dürfen sich dabei nicht gegenseitig ausschließen. Das gesundheitliche Wohl der Patientin steht dabei immer über möglichen Schönheitsidealen!

Wie erkenne ich eine gute Praxis oder Klinik?

Erfahrungsberichte im Internet oder persönliche Empfehlungen können Patientinnen zwar einen ersten Eindruck der Praxis oder der Klinik geben. Bei einem Eingriff in Deutschland ist es möglichen Patientinnen aber klar zu empfehlen, einen ausgewiesenen Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie zu konsultieren, der außerdem einer Fachgesellschaft wie der DGPRÄC, GÄCD oder der DGÄCD angehört. Patientinnen sollten letztendlich auch auf ihre Intuition hören, aber nicht auf rein emotionaler Basis entscheiden. Und: vergleichen Sie! Es ist nicht ungewöhnlich, dass unsere Patientinnen 3-4 Beratungsgespräche führen. Und dann im Zusammenspiel von Bauch und Kopf eine gut überlegte Entscheidung treffen.

Ab welchem Alter ist eine OP möglich? Ist eine Brustvergrößerung ab 16 möglich?

Viele junge Frauen stehen unter dem Einfluss gesellschaftlicher Schönheitsideale. Eine Brustvergrößerung kommt aber erst dann in Betracht, wenn die Patientin ausgewachsen ist, und damit das natürliche Brustwachstum abgeschlossen ist. Eltern oder gesetzliche Vertreter müssen ohnehin dem Eingriff bei jungen Patientinnen unter 18 Jahren zustimmen. Und zudemkommt eine Operation erst dann in Frage, wenn der Mediziner nach eingehenden Gesprächen persönliche und psychische Probleme der Patientin als Gründe für die gewünschte Brustvergrößerung ausschließen kann. Der Wunsch nach einer Brust-OP beispielsweise, der manchmal auch unter dem Einfluss eines Partners entstehen kann, ist für einen gewissenhaften Plastischen Chirurgen kein ausreichender Grund für einen Eingriff.

Wann kann der Arzt eine Brustvergrößerung durchführen?

Voraussetzung für eine Brust-OP ist, dass sämtliche Gründe gegen eine Brustvergrößerung ausgeschlossen wurden. Liegt eine medizinische Grundlage für eine Operation vor, beziehungsweise entscheidet sich die Patientin nach einer ausführlichen Beratung bewusst für einen Eingriff, steht einem Termin für eine Operation nichts mehr im Wege.

Mit welchen Kosten muss ich rechnen? Ist eine Finanzierung möglich?

Mit der Operation sind verschiedene Kosten verbunden. Weil sich die Kosten aus der reinen Operation, dem notwendigen Implantat-Material, Narkosemitteln und Folgebehandlungen zusammensetzen, ist der finanzielle Aufwand von Eingriff zu Eingriff unterschiedlich. Pauschal wird kein Ihnen kein seriöser Arzt Preise dafür nennen können. In persönlichen Beratungsgesprächen können Kosten aber abgeschätzt werden. Auch eine Finanzierung ist generell möglich. Für die Finanzierung von Selbstkostenanteilen oder Privatrechnungen gibt es inzwischen Optionen mit Ratenzahlungen; ein Beispiel ist die in der Villa Bella angebotene Kooperation mit Medipay.

Was ist eine Brustvergrößerung ohne OP? Was ist dran an der Methode per Spritze?

Das Medizinprodukt Macrolane sollte bei seiner Einführung im Jahr 2008 eine schonende Alternative zur Brustvergrößerung mit Implantaten darstellen – ohne Silikon, ohne OP, ohne Vollnarkose. Der Wirkstoff Hyaluronsäure, der schon zur Faltenunterspritzung eingesetzt worden war, versprach eine sanfte Alternative. Doch der Traum einer Brustvergrößerung ohne OP auf Basis des transparenten Gels via Injektion ins Brustgewebe sollte nicht lange dauern. Schnell zeigte sich, dass der Wirkstoff im Bereich der Brustvergrößerung ein hohes gesundheitliches Risiko für Patientinnen barg. Verletzungen des Fasziensystems führten dazu, dass das Gel direkt mit der Brustdrüse oder der Muskulatur in Kontakt kam. Entzündungen, Kapselbildungen mit unkontrollierter Verteilung des Gels im Körper und erschwerte Bedingungen bei Untersuchungen in der Brustkrebsvorsorge führten unter anderem dazu, dass das Verfahren im Jahr 2012 verboten wurde.

Ist eine Brustvergrößerung ohne Vollnarkose möglich?

Prinzipiell ja – in Europa werden die Operationen aber in der Regel in Vollnarkose durchgeführt. Eine lokale Betäubung in Kombination mit Dämmerschlaf und die damit verbundenen besonderen Sicherheitsvorkehrungen relativieren die Methode aber als Alternative zur Operation in Vollnarkose. Ob eine Brustvergrößerung ohne Vollnarkose in Frage kommt, muss im persönlichen Beratungsgespräch festgestellt werden.

Wie erreicht man ein natürliches Ergebnis? Welche Implantate sind richtig?

Frauen erwarten sich von einer Brustvergrößerung fast immer ein „natürliches“ Ergebnis. Dem gegenüber kann der Wunsch nach deutlich mehr Volumen stehen. In den Beratungsgesprächen vor der Vergrößerung muss deshalb geklärt werden, welches Implantat bei der Operation eingesetzt werden soll. Dabei spielen unter anderem Hersteller, Größe und auch die Form des Implantats eine Rolle. Es gibt sogenannte anatomische und runde Implantate. Während anatomische Implantate eher zu einer der natürlichen Brust nachempfundenen Form führen, können runde Implantate mehr Effekt haben. Aber auch runde Implantate können bei richtiger Positionierung unter dem Brustmuskel mehr Volumen bei ästhetischer und natürlicher Brustform ergeben.

Wie verläuft die Heilung? Was geschieht in der Zeit danach?

Die komplette Ausheilung der operierten Brust kann einige Monate dauern – 10-12 Wochen oder länger. Abgesehen von den bereits angesprochenen Risiken und möglichen negativen Folgen einer Brustvergrößerung verläuft die Heilung nach der Operation optimalerweise ohne größere Probleme. Patientinnen müssen sich im Heilungsprozess aber in Geduld üben. Das Ergebnis des ästhetischen Eingriffs ist erst am Ende zu sehen, wenn das Gewebe komplett verheilt ist. Während dieser Zeit können aber mögliche Wundheilungsstörungen, Blutungen oder (sehr selten) ein Infekt den Heilungsprozess verlangsamen. Negative Entwicklungen sollten Patientinnen immer mit ihrem Arzt besprechen, um auszuschließen, dass weitere Eingriffe nötig sind. Die bereits erwähnte Kapselbildung ist unbedingt ein solcher Grund für eine Wiedervorstellung beim Arzt. Während des Heilungsprozesses sollten Frauen deshalb darauf achten, ob ihre Brust verhärtet, ihre Position ändert, oder sich in Farbe oder Temperatur merklich verändert. Sprechen Sie dann umgehend Ihren Arzt an und klären Sie dies ab.

Darf ich nach der OP Sport machen? Darf ich Joggen gehen?

Erst, wenn die Heilung innen und außen komplett abgeschlossen ist, sollten Patientinnen wieder sportlich aktiv werden. Das ist üblicherweise nach ca. 4 Wochen der Fall. Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Arzt, bevor Sie Sportarten wie Joggen wieder beginnen oder das Fitness-Studio besuchen möchten. Vermeiden Sie während der Heilung starke Vibrationen, Schläge oder Erschütterungen, um das Risiko negativer Folgen für Körper und Implantate zu senken.

Behalte ich eine dauerhafte Narbe?

Die Narben der Brust-OP verblassen im Laufe der Zeit. Auffällige Narbenbildungen sind bei regelrechter Schnittführung (heutzutage meistens in der Falte unter der Brust versteckt) aber erfahrungsgemäß selten.

Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?

Die Krankenkasse übernimmt generell nur Kosten für eine Brustvergrößerung (auch Mamma-Augmentation genannt), wenn sie aus medizinischen Gründen durchgeführt wird. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn eine Brust nach einer Krebserkrankung (teilweise oder vollständig) entfernt werden musste. Eine Erstattung kann aber auch möglich sein, wenn die Brustform weit und schwerwiegend vom Idealbild abweicht – leiden Frauen unter schweren seelischen Belastungen, die mit ihrer Brustform zusammenhängen (z.B. bei echten Fehlbildungen), übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen meist die Kosten für die Brustvergrößerung, die dann aber auch meistens mit einer Brust-Formkorrektur einhergeht.

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